Die Edition

In der Bildenden Kunst sind neben professionalisierten oder akademischen Positionen auch nicht-etablierte Ausdrucksformen und Perspektiven akzeptiert. Dieses Phänomen wurde als Art Brut oder Outsider-Kunst bekannt. Mit Art Brut bezeichnete der französische Aktionskünstler, Bildhauer und Maler Jean Dubuffet (1901–1985) all jene anti-akademischen Positionen künstlerischer Produktion, die sich einem stil- und gattungsspezifischen Arbeiten entziehen. Er protegierte insbesondere die Arbeiten von Kindern, damals sogenannten Geisteskranken, Autodidakten, Sonderlingen und Laien.

Heute wird der Kunst von Personen, die jenseits des etablierten Kunstbetriebes arbeiten dieses Etikett nicht mehr gerecht, denn ein nicht-akademischer Zugang versperrt keinesfalls die Möglichkeit eines genuin künstlerischen Ausdrucks. Ganz im Gegenteil, der aktuelle Inklusionsgedanke argumentiert gerade für Positionen, die einen frischen Blick auf den Gegenstand »Kunst« werfen und die – im Gegensatz zur etablierten Kunst – oft frei(er) sind von kunstexternen Zwecken. Was in der Bildenden Kunst zur anerkannten Praxis gehört, ist dem Literaturbetrieb weitestgehend unbekannt.

Die Edition Paradogs möchte auf einen solchen nicht-etablierten Zugang im Bereich der Literatur aufmerksam machen. Doch Paradogs sind keine Outsider! Paradogs sind Autorinnen und Autoren aus literaturfremden Professionalisierungs-bereichen, die mit ihrer literarischen Arbeit neben (von griech. para) dem gängigen Betrieb arbeiten und so den Abnutzungserscheinungen intertextueller und kommunikativer Prozesse entgehen.  

Paradogs sind die streunenden Hunde der Literatur!

Streunende Hunde sind frei. Sie entziehen sich bewusst der Zugehörigkeit zu einem Rudel. Aus dieser Randposition heraus wird eine Außenperspektive möglich: Wer von Außen schaut, umgeht das Problem der Systemimmanenz. Die Edition Paradogs bietet literarischen Randpositionen eine Plattform. Denn Inklusion bedeutet auch, die Außen-perspektive als gleichwertig zur Innenperspektive zu betrachten. Die Chancen, die aus einer solchen literarischen Position heraus erwachsen, bestehen vor allem darin, stilprägende gruppenspezifische Muster zu umgehen und eine Literatur zu schaffen, die jenseits festgefahrener Form, Gattung und Zeitgeist existiert. Die Edition Paradogs versteht sich als Geburtshelferin einer solchen Literatur.

Weitere Informationen finden Sie unter Material.